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Giverola – ich komme wieder!
Ende März hatte ich als Gewinner des Swiss Cycling Top Tour Wettbewerbs das Vergnügen, meinen Preis – eine Woche Giverola mit Bikeholiday - zu geniessen. Das Wort Genuss wird in der Folge oft vorkommen, denn nichts anderes war der Trainingstrip an die Costa Brava. Es begann schon am Zürcher Sihlquai, am Busbahnhof. Etwas zwiespältig fühlte ich mich bei der Vorstellung, fast 14 Stunden im Reisebus durch die Nacht ans Meer zu Gondeln. Meine Erfahrungen mit Carreisen nach Spanien liegen zwei Jahrzehnte zurück. Damals gings um den Spass und darum, möglichst wenig zu schlafen. Der Komfort im Car war sehr bescheiden. Diesmal sollte das anders sein. Im Edelliner der Firma Bührer konnte ich mich bloss wohlfühlen, sonst gar nichts. Nach Imbiss und Schlummertrunk im Bistro fläzte ich mich – genüsslich - ins Lederfauteuil im Oberdeck und schlummerte bei Säuselmusik aus den Kopfhörern weg. Den Rest überliess ich Captain Kirk am Steuer des futuristischen Busses. Ich nehme an, dass er uns nach Spanien gebeamt hat, denn aus meinem Schlummer erwachte ich erst wieder, als links und rechts der Autobahn die typischen, kleinen, spanischen Weinreben zu sehen waren.
Entsprechend entspannt konnte ich mich in Giverola gleich auf das opulente Frühstücksbuffet stürzen. Verhungern unmöglich, abnehmen übrigens auch. Wenn man alle vernünftigen und unvernünftigen Leckerein und Genüsse probieren möchte, dann braucht man eine Woche. Gut, dass ich die Zeit hatte. Dasselbe gilt auch für das Znachtbuffet. Wirklich lecker und jeden Tag neue Genüsse. Den Kalorien bin ich mit dem Rennvelo zu Leibe gerückt. Fast jeden Tag. Auf geführten Touren an der Küste und ins Hinterland und ab und an allein oder mit einem Freund – wenns nach der Tagestour in den Muskelfasern immer noch nicht genug gekribbelt hat. Die fünf abwechslungsreichen Touren waren für mich hervorragendes Grundlagentraining für die bevorstehenden Top Touren in der Schweiz. 65 bis 165 Kilometer lang, mit 800 bis fast 2000 Höhenmetern am Tag. Wer will und mag, kann 800 bis 1000 Trainingskilometer aus Spanien mit nachhause nehmen. Bei mir waren es 817.
Die Gruppen sind nach Leistungsklassen eingeteilt. Der Schlüssel dazu ist das Durchschnittstempo. Bescheiden und spassorientiert wählten mein Sparringspartner Michael Ausfeld (OK Präsident der Top Tour Züri Metzgete) und ich das Mittelfeld, wo man mit 22 bis 26 Durchschnitts-Km/h unterwegs ist. In der Gruppe herrschte schon nach der ersten Tour so etwas wie freundschaftliches und entspanntes Vereinsfeeling. Stammgäste und Leiter nennen es den Giverola-Spirit. Das von den Guides vorgegebene Tempo umschrieb mein Tacho meist mit „Fettverbrennung“ – was wie oben erwähnt aus kalorienhaushalterischen Gründen sehr gut war. Besonders schöne Touren führten über die angenehm verkehrsarme Küstenstrasse nach Osten, durch Reisfelder oder auch auf den Sant Hilari, wo das gleichnamige Mineralwasser herkommt. Tipp: Wer sich ranhält und es noch etwas härter braucht, der schafft den Sant Grau Pass in der nähe der Ferienanlage, mit seiner 14%-Rampe, noch vor dem Frühstück oder zum Zvieri nach der Tagestour. „Spinner“ wie Michael und ich durften sich die Oberschenkel auch an 17%-Hügelchen warm fahren. Solche „Sauhunde“ entdeckt man meist per Zufall. Wir fanden unsere Prüfung bei Mas Nou, einer Edelferiensiedlung oberhalb von Platja d’Aro.
Nach und vor solchen „Strapazen“ kam das Geniessen der Ferienanlage Giverola und der vielen Wohlfühlangebote nicht zu kurz. Hallen- und Sprudelbad gehörten zu meinem Programm, Alis Massagen (die nachhaltig gegen eine chronische Verspannung wirkten!), gemütliche Absacker an der Bar und Streifzüge durch den kleinen aber feinen Supermarkt. Das einzig unangenehme an der Bikeholiday-Woche in Giverola war einzig und allein die Gewissheit, dass sie am Samstagabend zu Ende ging. Angeblich kommen 70% aller Bikeholidayianer nach Giverola zurück. Könnte stimmten. Denn ich werde es 2012 mit Sicherheit auch tun.
Steffen Riedel, Journalist, Boppelsen ZH
(12.04.2011)
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